Lifeline hat auch nach 15 Jahren viel zu tun

Erfreut über die Hilfe (v.li.) Werner Mauren (Vorstand Lifeline), Hassan G., Michael Kunkel (PSD Bank), Mike Römer (Louf), Thomas Schöpel (Vorstand Lifeline), Kirsten Heukamp (Lifeline) und Stefanie Röpke (Lifeline).


Kiel. Diese Bilanz ist mehr als erfreulich: In den 15 Jahren seit der Gründung hat Lifeline, der gemeinnützige Vormundschaftsverein im Flüchtlingsrat SH, in und um Kiel rund 500 minderjährigen Flüchtlingen Hilfe vermittelt. Und zwar sehr konkrete Hilfe: Lifeline vermittelt ehrenamtliche Vormünder, die die Heranwachsenden unterstützen. Der Verein berät und begleitet die jungen Menschen auch im Asylverfahren.

Gestern gab es Unterstützung von der PSD Bank in Form einer 5.000-Euro-Spende. „Das Geld ermöglicht es Lifeline, wichtige Informationsveranstaltungen für die Ehrenamtlichen durchzuführen“, teilte der Verein mit. Dabei gehe es um Inhalte wie „Rechte und Pflichten eines Vormunds“, Identitätsklärung und Passbeschaffung“ oder „Grundlagen zum Arbeitsmarktzugang“. Damit sollen Ehrenamtler in die Lage versetzt werden, wirkungsvoll zum Nutzen ihrer minderjährigen Mündel handeln zu können. „Die jungen Geflüchteten sind oft traumatisiert von dem Geschehen in ihrer Heimat und von den Erlebnissen auf der Flucht“, sagt Michael Kunkel, Vorstand der PSD Bank. „Umso mehr bin ich erfreut, dass wir nun mit Geldern des Gewinnsparens einen so wichtigen Einsatz fördern können.“

Dass die Spendenübergabe im Restaurant Louf direkt an der Kiellinie erfolgte, war kein Zufall. Dort wird nämlich Hassan G. seit dem vergangenen Oktober zum Koch ausgebildet. Hassan kam Anfang 2015 aus Afghanistan nach Deutschland. „Ich komme aus einer Provinz, die von Deutschland als sicher angesehen wird. Mein Vater und mein Onkel wurden aber dort von den Taliban umgebracht, ich selber wurde auch bedroht.“ Hassan hat viel Hilfe durch Lifeline erhalten und gibt nun sein Wissen über Deutschland an andere Flüchtlinge weiter. „Für mich ist Deutschland ein Land mit Möglichkeiten, die es in Afghanistan nicht gibt: dass man sagen kann, was man will, dass man Respekt vor anderen hat, dass Gesetze eingehalten werden und nicht Willkür herrscht.“ Hier gebe es strenge, „aber ehrliche“ Behörden statt Korruption, „Frauen und Männer haben dieselben Rechte“, lobt Hassan.

Lifeline-Mitarbeiterin Stefanie Röpke bedauert jedoch, dass nicht alle Behörden in Deutschland die Bemühungen um Integration unterstützen. „Ich stelle in unseren Beratungsgesprächen immer häufiger fest, dass vorhandene Ermessensspielräume zum Nachteil der Geflüchteten angewandt werden.“

Quelle: Kieler Nachrichten, 3.4.19
Foto: Kieler Nachrichten